Bei der diesjährigen Langen Nacht der Forschung 2026, Österreichs größtem öffentlichen Event für Wissenschaft und Innovation, präsentierte AI Factory Austria AI:AT eine Reihe interaktiver Demonstrationen rund um Künstliche Intelligenz, High-Performance Computing (HPC) und Robotik. Ziel war es, aktuelle Technologien nicht nur zu zeigen, sondern sie für ein breites Publikum verständlich und erlebbar zu machen.
Mini-Supercomputer Crunchy
Der Hauptdarsteller des Abends und ein echter Blickfang war Crunchy – ein Mini-Supercomputer, der die Grundprinzipien von High-Performance Computing anschaulich erklärt. Das System besteht aus 16 Raspberry-Pi-Einheiten und ist mit LED-Anzeigen ausgestattet. Es zeigt, wie mehrere kleinere Computer zusammengeschaltet werden können, um Aufgaben parallel zu verarbeiten.
Im Ruhezustand leuchten die Anzeigen grün. Sobald Berechnungen starten, wechseln einzelne Knoten auf Rot und zeigen damit an, dass sie aktiv rechnen. Diese Visualisierung macht paralleles Rechnen direkt sichtbar: Besucher:innen konnten beobachten, wie Arbeitslasten auf mehrere Einheiten verteilt werden.

Ein Roboter zeichnet dein Porträt
Mit Crunchy verbunden war ein Roboterarm, der Linienzeichnungen von Besucher:innen-Porträts erstellte. Dahinter stand ein mehrstufiger automatisierter Prozess.
Zunächst nahm eine kleine Raspberry-Pi-Kamera ein Foto auf. Dieses wurde lokal mithilfe von KI und Computer-Vision-Methoden segmentiert. Anschließend wurden die verarbeiteten Daten an den europäischen Supercomputer LUMI übertragen, wo ein Diffusionsmodell das Bild in eine strukturierte Liniengrafik umwandelte. Danach wurde die Grafik vereinfacht und in Maschinenbefehle übersetzt, sodass der Roboterarm das Porträt physisch in feinen Linien zeichnen konnte.
Für die Besucher:innen war dies eine spielerische Möglichkeit, einen vollständigen Workflow von Datenerfassung, KI-Verarbeitung und physischer Ausgabe zu erleben. Zugleich wurde sichtbar, wie KI-Anwendungen mit realen Systemen verbunden werden können.

Von einfachen Skizzen zu digitalen Bildern
Ein weiterer interaktiver Programmpunkt war die KI-gestützte Bildgenerierung. Besucher:innen konnten auf einem Tablet einfache Skizzen erstellen, die innerhalb weniger Sekunden in detailliertere digitale Bilder verwandelt wurden.
Die Station zeigte, wie KI kreative Prozesse unterstützen kann, und lud zum Experimentieren ein – ein Angebot, das sowohl bei Kindern als auch bei Erwachsenen sehr gut ankam. Im Mittelpunkt stand dabei nicht das Ersetzen menschlicher Ideen, sondern das Weiterentwickeln erster Entwürfe durch gelernte Muster und Darstellungen. Viele Teilnehmer:innen nutzten die Möglichkeit, ihre Zeichnungen mehrfach zu überarbeiten und verschiedene Varianten auszuprobieren.

Storytelling in Echtzeit mit Nukuki Live
Ein weiteres Highlight, insbesondere für jüngere Besucher:innen, war die interaktive Storytelling-Anwendung Nukuki Live, präsentiert von AI:AT-Coworking-Mitglied Peter Riegler.
Mit einem kurzen Prompt konnten Besucher:innen in Echtzeit komplette Geschichten generieren, die Audio, Text und visuelle Elemente miteinander kombinierten. Die Anwendung wurde speziell mit Blick auf Kinder entwickelt und versteht sich als Alternative zu passivem Bildschirmkonsum. Sie zog schnell Familien und Gruppen von Kindern an, die begeistert unterschiedliche Ideen ausprobierten.
Die entstandenen Geschichten reichten von einfachen Erzählungen bis zu fantasievollen Szenarien mit Tieren, Zauberern und völlig neuen Figuren. Da das System nicht auf urheberrechtlich geschütztem Material basiert, ermutigt es Nutzer:innen dazu, eigene Ideen zu entwickeln, statt bekannte Inhalte nachzuahmen.
Teamwork und Zusammenarbeit
So wie ein Supercomputer seine Leistungsfähigkeit durch das Zusammenspiel vieler verbundener Komponenten gewinnt, war auch der Auftritt von AI:AT bei der Langen Nacht der Forschung das Ergebnis der Zusammenarbeit mehrerer Partner.
Der Roboterarm wurde dem Team freundlicherweise vom Legal-Tech-Startup AI:ssociate zur Verfügung gestellt. Der Mini-Supercomputer Crunchy wurde 2024 von Simeon Harrison gebaut und gemeinsam mit Martin Pfister im Auftrag des HPC Competence Center EuroCC Austria programmiert. Seitdem wird Crunchy bei Veranstaltungen wie der Langen Nacht der Forschung eingesetzt, um High-Performance Computing anschaulich zu erklären. Heute wird das System gemeinsam von EuroCC Austria, AI Factory Austria und dem Austrian Scientific Computing (ASC) Research Center der TU Wien genutzt.
Die Integration der einzelnen Komponenten zu einem stabilen, funktionierenden Gesamtsystem erforderte iterative Entwicklungsarbeit. Zu den Herausforderungen zählten unter anderem die Verarbeitung niedrig aufgelöster Bilder zu konsistenten Linienstrukturen sowie die zuverlässige Kommunikation zwischen den verschiedenen Stufen der Pipeline. Unterstützt wurde die Umsetzung von David Abbassi, Yannik Gäbel und Mihai Cata aus dem AI:AT-Team.

Neugier, Wissen und technisches Know-how erleben
Die Lange Nacht der Forschung 2026 war ein großer Erfolg: Österreichweit besuchten rund 192.000 Menschen die Veranstaltungen. Auch der AI:AT-Stand am Maria-Theresien-Platz in Wien zog durchgehend viele Besucher:innen an – Erwachsene ebenso wie Kinder, alle mit Neugier und Interesse daran, Neues auszuprobieren.
Expert:innen und Entwickler:innen aus den Bereichen HPC und KI waren während der gesamten Veranstaltung vor Ort, erklärten die Demonstrationen und kamen direkt mit den Besucher:innen ins Gespräch. Aus Fragen entstanden Diskussionen, und aus Diskussionen oft weitere Erkundungen. Für manche war es der erste Kontakt mit KI und HPC. Für andere eröffnete sich eine neue Perspektive auf Technologien, die sie bisher vor allem aus der Theorie kannten.
Veranstaltungen wie die Lange Nacht der Forschung schaffen Raum für diesen informellen und zugleich inspirierenden Austausch. Sie bringen Forschung näher an die Öffentlichkeit und zeigen, wie komplexe Technologien zugänglich werden, wenn Menschen sie direkt erleben können.
AI Factory Austria AI:AT bedankt sich bei allen Besucher:innen, Mitwirkenden und Partnern, die zu einem offenen, neugierigen und einladenden Abend beigetragen haben.



