Künstliche Intelligenz verändert die Softwareindustrie grundlegend. Rund 50 Expert:innen aus Forschung und Praxis diskutierten beim Workshop „Software Engineering Live“ am 19. und 20. März in Kitzbühel darüber, wie sich Softwareentwicklung, Qualitätsanforderungen und Kompetenzprofile durch KI verändern. Mit der Universität Innsbruck war dabei ein starker Tiroler Partner des österreichweiten Konsortiums der AI Factory Austria AI:AT prominent vertreten.
Eine zentrale Rolle spielte Univ.-Prof.in Dr.in Ruth Breu, Professorin für Informatik und Leiterin der Forschungsgruppe Quality Engineering am Institut für Informatik der Universität Innsbruck. Damit bekam die Tiroler Forschungskompetenz im Rahmen des Workshops ein klar sichtbares Gesicht. Breu steht seit vielen Jahren für die Verbindung von wissenschaftlicher Exzellenz, verlässlicher Softwareentwicklung und praxisnaher Umsetzung – genau jene Verbindung, die auch die AI Factory Austria AI:AT im österreichweiten Maßstab stärken will.
Im Zentrum der Diskussionen stand die Frage, wie KI die Art und Weise verändert, wie Software entsteht – und welche Konsequenzen das für Entwickler:innen, Unternehmen und Ausbildungswege hat. Erfahrungsberichte und Demonstrationen KI-gestützter Werkzeuge zeichneten dabei ein klares Bild: Auch wenn die KI-Generierung rasant an Leistungsfähigkeit gewinnt, kann Softwareentwicklung nicht einfach vollständig automatisiert werden. Gerade Architekturentscheidungen, Anforderungen, Tests, Qualitätssicherung und die verantwortungsvolle Bewertung von Ergebnissen bleiben zentrale menschliche Aufgaben.
„Es braucht neue Fähigkeiten, um die KI-Generierung zu steuern, sowie die erzeugten Ergebnisse zu bewerten und zu verbessern“
Ruth Breu, Professorin für Informatik und Leiterin der Forschungsgruppe Quality Engineering am Institut für Informatik der Universität Innsbruck
Von der Code-Generierung zur Qualitätsverantwortung
Für Studierende, Unternehmen und den regionalen Innovationsstandort Tirol ist das eine zentrale Botschaft: Software Engineering wird noch relevanter – allerdings mit verschobenen Schwerpunkten. Wer künftig erfolgreiche digitale Produkte entwickeln will, braucht nicht nur technisches Können, sondern auch die Fähigkeit, KI-Systeme kritisch einzuordnen, Anforderungen präzise zu formulieren und Qualität unter realen Bedingungen abzusichern.
Dass sich die Debatte nicht in Technologiebegeisterung erschöpft, machte der Workshop mehrfach deutlich. Einigkeit bestand darin, dass gute Softwareentwicklung auch im Zeitalter generativer KI weit mehr ist als das Erzeugen von Code. Gute Architektur, belastbare Requirements, treffsichere Testfälle und nachvollziehbare Qualität bleiben die Grundlage vertrauenswürdiger Systeme.
Hans Egermaier brachte das zugespitzt auf den Punkt: KI sei „kein Feenstaub“ – der Erfolg hänge entscheidend von klaren Anforderungen, menschlicher Expertise und einem systematischen Vorgehen ab. Ebenso gelte bei generativer KI weiterhin: „Gut gefragt ist gut geantwortet.“ Die Qualität der Ausgabe ist direkt an Präzision, Kontexttiefe und Zielklarheit der Eingabe gebunden.
Tiroler Praxis zeigt, wie schnell sich Berufsbilder verändern
Wie konkret dieser Wandel bereits in Unternehmen angekommen ist, zeigte auch die Perspektive aus Tirols Softwarewirtschaft. CASABLANCA hotelsoftware schilderte, dass autonome KI-Agenten schon heute Routineaufgaben vom Code-Generieren bis zum Testing übernehmen – mit spürbaren Auswirkungen auf Rollenprofile, Arbeitsweisen und Qualifikationsbedarf.
„Als Tiroler Softwareunternehmen mit über 2.000 Hotelkunden erleben wir den KI-Wandel hautnah: Autonome KI-Agenten übernehmen zunehmend Routineaufgaben – vom Code-Generieren bis zum Testing. Das verschiebt die entscheidenden Skills unserer Entwickler:innen: weg vom reinen Programmieren, hin zum Orchestrieren, Bewerten und verantwortungsvollen Steuern von KI-Systemen“
Maximilian Ehrhart, Head of Research, CASABLANCA hotelsoftware
Gerade für exportorientierte Technologieunternehmen in Tirol wird damit klar: Wettbewerbsfähigkeit entsteht künftig nicht allein durch den Einsatz neuer Werkzeuge, sondern durch die Fähigkeit, Forschung, Anwendungswissen und verantwortungsvollen KI-Einsatz zusammenzubringen. Veranstaltungen wie „Software Engineering Live“ schaffen dafür einen Raum, in dem State-of-the-Art-Forschung und gelebte Praxis direkt aufeinandertreffen.
AI Factory Austria AI:AT: Forschung, Infrastruktur und Umsetzung zusammendenken
Auch Michael Löffler, Experte für vertrauenswürdige KI an der AI Factory Austria AI:AT, betonte die größere strategische Perspektive. Aus seiner Sicht entstehen gerade neue Chancen für den europäischen Softwarestandort – insbesondere dort, wo Datensouveränität, IT-Sicherheit, Datenschutz und ethische Standards nicht als Hemmnis, sondern als Qualitätsmerkmal verstanden werden.
„Es entstehen gerade neue Perspektiven für den europäischen Softwarestandort. Insbesondere in sensiblen Bereichen wie Datensouveränität, IT-Sicherheit, Datenschutz und ethischen Standards kann Europa eine führende Rolle einnehmen“
Michael Löffler, Experte für vertrauenswürdige KI, AI Factory Austria AI:AT

Michael Löffler, Experte für vertrauenswürdige KI, AI Factory Austria im Rahmen des Workshops „Software Engineering Live“ in Kitzbühel
Der Workshop in Kitzbühel machte damit auch sichtbar, wofür die AI Factory Austria AI:AT steht: als marktneutraler, unabhängiger Zugangspunkt für anspruchsvolle KI-Vorhaben, der Infrastrukturzugang, hands-on Expertise, Kompetenzaufbau und Ökosystem-Vernetzung zusammenführt. Für Tirol ist die Universität Innsbruck dabei ein besonders wichtiger Partner im österreichweiten Konsortium – als wissenschaftliche Kraft im Software Engineering ebenso wie als Brücke zu regionalen Unternehmen und Anwendungsfeldern.
Als nationale AI Factory im Rahmen des EuroHPC Joint Undertaking unterstützt AI:AT Unternehmen, Forschungseinrichtungen, Start-ups und die öffentliche Verwaltung dabei, KI wirksam und verantwortungsvoll in die Praxis zu bringen. Dazu verbindet die Initiative Zugang zu europäischen High-Performance-Computing-Ressourcen mit Beratung, Trainings- und Enablement-Formaten sowie der gezielten Vernetzung mit den passenden Partnern im Ökosystem.
Das Signal aus Kitzbühel ist damit klar: KI wird zum zentralen Werkzeug in der Softwareentwicklung – doch der Mensch bleibt verantwortlich für Qualität, Einordnung, Sicherheit und den vertrauenswürdigen Einsatz. Genau an dieser Schnittstelle zwischen Forschung, Qualifizierung und Umsetzung setzen die AI Factory Austria AI:AT und starke Partner wie die Universität Innsbruck an.

Vertreter:innen der AI Factory Austria beim Workshop „Software Engineering Live“ v.l.n.r.: Endri Deliu, Ruth Breu, Michael Löffler
Über die AI Factory Austria AI:AT
Die AI Factory Austria AI:AT ist Österreichs nationale AI Factory im Rahmen des EuroHPC Joint Undertaking. Sie wird gemeinsam vom AIT Austrian Institute of Technology und Advanced Computing Austria (ACA) geleitet und durch ein österreichweites Konsortium umgesetzt.
Die Partner im Konsortium sind: TU Wien, Universität Wien, Universität für Bodenkultur Wien (BOKU), Universität Innsbruck, TU Graz, Johannes Kepler Universität Linz (JKU), Institute of Science and Technology Austria (ISTA), die Österreichische Akademie der Wissenschaften (ÖAW), INiTS – Vienna’s High-Tech Incubator sowie EODC – Earth Observation Data Centre for Water Resources Monitoring GmbH. AI:AT kombiniert KI-optimierte Hochleistungsinfrastruktur mit einem physischen Hub und unterstützt Organisationen aus Wirtschaft, öffentlicher Verwaltung und angewandter Forschung als marktneutraler, unabhängiger Zugangspunkt entlang der KI-Reise, vom ersten Use Case bis zur praktischen Umsetzung.
Funding Acknowledgement
Die AI Factory Austria (AI:AT) wird durch das European High-Performance Computing Joint Undertaking (JU) im Rahmen des Fördervertrags Nr. 101253078 kofinanziert. Das Joint Undertaking wird unterstützt durch das Horizon-Europe-Programm der Europäischen Union sowie Österreich (BMIMI/FFG).
Rückfragen & Kontakt
Daniel Daniel Pepl, MAS MBA
Lead Marketing & Communications
AI Factory Austria AI:AT
+43 664 620 78 05 | daniel.pepl@ai-at.eu | www.ai-at.eu



